![]() |
|||||
| ................................. | ................................. | ................................. | ................................. | ................................. | ................................. |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|
als filmemacher ................................. |
als journalist ................................. |
als wissenschaftler ................................. |
als autor ................................. |
als bildermacher ................................. |
als mensch ................................. |
| "Gott schütze das Fleisch des Pharao!" Untersuchungen zum magischen Handbuch pWien AEG 8426 (Zusammenfassung) |
Die
vorliegende Arbeit stellt die erste zusammenhängende
Beschäftigung mit pWien Aeg 8426 in seiner Gesamtheit dar; obwohl
einige der Sprüche im Rahmen weiterführender Artikel bereits
zitiert und teilweise in Auszügen hieroglyphisch wiedergegeben
worden sind, ist bislang keine Gesamtpublikation des Textes erfolgt.
Dies ist um so bedauerlicher, als es sich bei pWien Aeg 8426 um eines
der wenigen erhaltenen liturgischen Handbücher eines
ägyptischen Tempels handelt, welches sich bis in die heutige Zeit
erhalten hat. Der Papyrus besteht aus einer Kolumne mit 27 Zeilen hieratischer Schrift sowie den Resten einer weiteren Seite, von denen jeweils nur die ersten Zeichen erkennbar sind. Er enthält eine Reihe von durch Rubra voneinander getrennten Sprüchen, die durch ihre Überschrift kj-r3 zum Großteil als Varianten der vorangegangenen gekennzeichnet sind. Durch den Verlust der ersten Kolumnenhälfte ab Zeile 10 ist es nicht mehr möglich, die exakte Anzahl der Sprüche zu erschließen. Im Rahmen dieser Arbeit habe ich eine Einteilung des Textes in acht ver-schiedene Sprüche bzw. Sprucheinheiten isoliert, von denen mindestens sechs als eigene Textabschnitte nachzuweisen sind. Die Sprüche des pWien Aeg 8426 bieten eine Fülle mythologischer Anspielungen, welche speziell für den Schutz des Königs „vor allen üblen Dingen (des Jahres)“ zusammengestellt worden sind. Einige der Formulierungen besitzen aufgrund textinterner Informationen ein höheres Alter als die anderen, welche entweder Überarbeitungen älteren Textguts oder aber Neuschöpfungen späterer Zeiten zu sein scheinen. In seiner Gesamtheit handelt es sich um ein magisches Schutzbuch, welches wohl als Nachschlagewerk für die Ausführung von Ritualen bzw. für die Herstellung von schützenden Amuletten verwendet wurde, und welches daher nicht zur zusammenhängenden Rezitation gedacht war. Wie auch die Einbindung einzelner Passagen des Papyrus in verschiedene Inschriften der Tempel der griechisch-römischen Epoche zeigt, galten alle Abschnitte für sich als wirkmächtig. Ob die Auswahl und die Zusammenstellung der Sprüche, welche uns auf pWien Aeg 8426 überliefert sind, auf den Schreibers der im 1. bis 2. Jahrhundert n. Chr. entstandenen Handschrift oder auf einen älteren Kollegen zurückgeht, kann aufgrund des vorliegenden Materials nicht entschieden werden. Das auffällige Fehlen von Neuägyptizismen wie die augenfällige Bemühung um weitgehende Verwendung der mittelägyptischen Sprache machen eine Datierung der verschiedenen Texte in das Mittlere Reich (bis in die 18. Dynastie hinein) bzw. in die Spätzeit wahrscheinlich. Eine zentrale Zeile des Papyrus, der sog. Refrain Hr Hr w3d n Shm.t, ist erstmals auf einem Papyrus der Zweiten Zwischenzeit belegt und tritt dann vermehrt ab der Saitenzeit in Erscheinung; erst ab der griechisch-römischen Zeit finden sich Parallelen dieser Phrase auch in den Inschriften der Tempel, ein Umstand, der aufgrund des Verlustes fast aller Sakralbauten der Spätzeit jedoch nicht verabsolutiert werden sollte. Fest steht, daß es sich bei den Sprüchen des pWien Aeg 8426 um eine Textgattung handelt, welche vor dem Ende des Neuen Reichs ausschließlich auf Papyrus tradiert wurden. Statt ausführliche Schutzbücher an den Tempelwänden zu notieren, beschränkte man sich darauf, kultisch wirksame Hinweise auf diese Gattung von Texten – wie die bekannte Rückenschutzformel – im Rahmen größerer Ritualszenen zu installieren. Der Verwendungszweck der Sprüche ist in Zeile 2 als „Schutz dieses Jahres“ definiert. Die Reste der Rezitationsvermerke legen eine Verwendung im Rahmen schützender Rituale nahe, welche sich mit der Herstellung schutzträchtiger Amulette beschäftigen. Hierbei treten zwei unterschiedliche Amulettformen zutage, welche sich gegenseitig ergänzt haben dürften: zum einen der dauerhafte, durch das Tragen am Körper wirksame Gegenstand (wie das w3d-Amulett aus Spruch 1) sozusagen als Talisman, zum anderen das temporäre Amulett in Form einer oral zu applizierenden Lösung. Beide Amulettformen wurden erst durch das Besprechen mit magischen Texten – wie mit den auf pWien Aeg 8426 erhaltenen Sprüchen – effektiv und bilden somit ein weiteres Zeugnis für die in der ägyptischen Religion so charakteristische Zusammenwirkung von ikonischer und anikonischer Magie. Der Rezitationsvermerk von Spruch 2 erwähnt außerdem einen Gegenstand aus pflanzlichen Fasern, welcher aufgrund seines Ma-terials eine Zwischenform zwischen temporärer und dauerhafter Amulettform darstellt. Die magische Wirksamkeit beziehen die Sprüche aus einer Angleichung des Pharao an den Sonnengott. Durch diese ‚Phasenidentität’ gelingt es dem König, die wichtigsten der für den Schutz des Re zuständigen Gottheiten für sein persönliches Wohlergehen verantwortlich zu machen; an erster Stelle ist dies freilich das in verschiedenen Erscheinungsformen greifbare ‚Auge des Re’, das Sonnenauge, welches durch seine mächtige (shm) Flamme zum gefürchtetsten Gegner der Feinde des Schöpfergottes geworden ist. Die mythologische Verankerung der Sachmet-Hathor-Tefnut im sog. ‚Mythos vom Sonnenauge’ verschmilzt durch das ‚Wüten’ der erzürnten Göttin und deren Be-friedigung (s-htp) die gegensätzlichen Fähigkeiten, das Übel der Welt hervorzubringen wie es abzuwehren, in ein und derselben Gottheit. Da nach ägyptischer Vorstellung Krankheiten „auf die unmittelbare Einwirkung von Dämonen, Toten oder auch Göttern“ zurückzuführen sind, ist eine Verbindung der Sachmet mit so gefürchteten Phänomene wie der j3d.t-rnp.t kaum verwunderlich. Durch die Personalunion der rächenden, strafenden wie der apotropäisch wirksamen Göttin wird Sachmet zu einem der wichtigsten Ansprechpartner in magisch-medizinischen Texten. Sachmet zu kennen (sprich, über ihre Bedürfnisse bescheid zu wissen und dementsprechend zu handeln, sei es kultisch oder magisch), hat in der Regel eine beschirmende Wirkung, vor allem in Bezug auf saisonal bedingte Krankheiten, die analog zur Schöpfung der Welt und des Jahres und den damit in Zusammenhang stehenden Mythemen gesehen wurden. [P.Leid346, BOMMAS 15] Ich kenne sie (=Sachmet)! Weder werde ich hungern, noch werde ich dürsten. Nicht werde ich dem Unheil des Jahres anheimfallen und nicht wird die Macht der Sachmet in mir sein! Zu den Schutzformen des Amuletts (Spruch 1) und des Rituals (Spruch 2) treten noch zwei weitere Kategorien, das ‚magische Getränk’ wie die Amulettpapyri. Während der sechste Spruch über einer Schale mit dem Bildnis einer Göttin rezitiert wurde, welche anschließend mit großer Wahrscheinlichkeit durch ein Getränk aufgelöst und getrunken wurde, findet sich der siebte Spruch auf diversen Amulettpapyri wieder. Letztere wurden entweder in kleinen Amuletthülsen oder direkt am einer Kette um den Hals des Schützlings getragen: in ihrem Fall ist der Text nicht bloß Gegenstand einer Rezitation, sondern formt dank seiner magischen Wirkmächtigkeit (hk3) selbst das konkrete Schutzobjekt. Auf pWien Aeg 8426 sind folglich nicht nur Sprüche unterschiedlichen Alters, sondern zugleich auch solche ganz unterschiedlicher Ritualformen miteinander kombiniert. Neben dem schützenden Amulett und dem Ritual sorgten auch ein Zaubertrunk und ein magischer Zettel für den Schutz des Pharao „...in diesem seinen Körper, in allen diesen seinen Gliedern.“ o zwischen häppchen und gesprächen, in einem augenblick, da es zu spät ist, versinkt |
||||